Anreise nach Whitehorse und Übernahme des Wohnmobils

Die Anreise

Grönland, vom Flugzeug aus gesehen

Für den Weg zum Flughafen Frankfurt haben wir uns für die Bahn entschieden. Die gewählte Verbindung von Osnabrück nach Frankfurt dauert fast viereinhalb Stunden, während man es bei normalen Verkehrsbedingungen mit dem Auto auch in gut drei Stunden schaffen kann. Allerdings bietet der gebuchte ICE den Vorteil, ohne Umsteigen von unserem Heimatbahnhof bis zum Flughafenbahnhof durchfahren zu können. Mit Koffern und Handgepäck ist es so sehr entspannt und man muss sich nicht mit Verkehr beschäftigen. Zudem spart man so die Parkgebühren am Flughafen, was bei über drei Wochen schon ein merkbarer Betrag im Budget ist.

Die Bahntickets (Rail&Fly) haben wir zusammen mit der Reise gebucht, die Platzreservierungen später selbst gemacht. Ich habe mir schon lange angewöhnt, längere Bahnfahrten nur mit Reservierung zu machen. Man weiß insbesondere auf Strecken, die man selbst nicht regelmäßig nutzt, nie, wie voll es werden kann. Und wegen ein paar gesparter Euros mit den großen Koffern nach einem freien Sitzplatz suchend durch den Zug laufen, ist nicht so meins.

Für uns ging es also um sieben Uhr morgens los Richtung Bahnhof, um pünktlich um kurz nach halb acht den ICE zu entern. Gepackt hatten wir schon ganz in Ruhe am Vortag und das Frühstück wurde ganz entspannt in den Zug verlegt. Pünktlich um zwölf sind wir dann am Flughafen Frankfurt angekommen und haben das Gepäck gleich am Airrail-Check-in abgegeben. Die Formalitäten des Check-ins hatte ich schon am Vortag online erledigt. Das Handgepäck wurde übrigens nicht gewogen. Bei Condor, der von uns gewählten Fluggesellschaft, gilt in der Economy-Class eine Gewichtsbeschränkung von sechs Kilo für das Handgepäck. Das reichte gerade so für meinen Fotorucksack. Den Laptop hatte ich auch noch im Rucksack, allerdings in einer eigenen Hülle, sodass ich ihn herausnehmen konnte. Man darf nämlich zusätzlich zum Handgepäck noch eine Laptoptasche, eine Handtasche und einen Regenschirm mitführen.

Mit reichlich Zeitpuffer haben wir dann noch ein wenig durch die Shops am Flughafen gestöbert und noch ein Paar Kopfhörer für den Flug gekauft. Wir hatten nur ein vernünftiges Paar Kopfhörer und trotz eines Gutscheins für kostenlose Condor-Kopfhörer wollten wir doch gern beide vernünftige Qualität und ein wenig Geräuschisolierung haben.

Flugzeug von Condor am Flughafen Frankfurt

Die Sicherheitskontrolle verlief problemlos, trotz der vielen mitgeführten Technik. Ich war mir allerdings auch sicher, dass auch die Powerbanks im Handgepäck kein Problem verursachen würden. Zu dem Thema hatte ich für CamperCo hinreichend Recherche betrieben. Im Duty-Free-Shop haben wir uns noch Whisky und Martini für die Tour gekauft, den wir gern abends am Lagerfeuer genießen. Beides war gar nicht mal so günstig, allerdings immer noch billiger, als es in Kanada zu kaufen. Hätte vorher ich das Angebot von Condor gekannt, solche Dinge vorab zu bestellen und dann im Flugzeug an den Platz geliefert zu bekommen, hätte ich dort zugeschlagen. Der Preis im Condor-Katalog war für die meisten Whiskys deutlich günstiger als im Duty-Free-Shop.

Der Abflug unserer Maschine war um fast eine Stunde verspätet. Zeit genug, zwei Mitglieder aus unserer Facebook-Gruppe »Kanada mit dem Wohnmobil« persönlich kennenzulernen und sich über die jeweiligen Tourplanungen auszutauschen. Schön, wenn solche virtuellen Bekanntschaften auch mal zu persönlichen Begegnungen führen.

Boarding und Start verliefen problemlos und wir haben eine günstige Route zugewiesen bekommen, sodass wir statt der veranschlagten neuneinhalb Stunden nur achteinhalb Stunden Flugzeit hatten und mehr oder weniger pünktlich gelandet sind. Die schönen Plätze recht weit hinten im Flugzeug in den Zweierreihen haben den Nachteil, dass man in der Schlange zur Immigration ganz hinten ist. Es hat weit über eine Stunde gedauert, bis wir dran waren. Die Einreise selbst ging dann aber schnell und problemlos. Beide Pässe waren mit einer schon sehr frühzeitig beantragten eTA versehen und die üblichen, sehr freundlich gestellten Fragen waren schnell beantwortet. Erst viel später haben wir dann aber festgestellt, dass der Pass meiner Frau gar keinen Einreisestempel abbekommen hat. Das sollte zwar kein Problem sein, auch bei den späteren Grenzübertritten zwischen Kanada und den USA, ist aber schade wegen der Erinnerung. Die Stempel sind ja auch eine Art Reisesouvenir.

Nach der Einreise mussten wir noch wirklich lang auf unser Gepäck warten. Wohl wegen einer ganzen Reihe von Hunden hat sich das Ausladen verzögert und es gab ziemlichen Stau am Gepäckband. Interessanterweise ging es fast allen so, dass noch mindestens ein Koffer fehlte, was das Chaos im kleinen Flughafen von Whitehorse perfekt machte. Aber alle waren entspannt und es gab keinen Stress. Solche Dinge lassen sich eh nicht beschleunigen.

Whitehorse

Der Yukon River in Whitehorse

Als wir unser Gepäck endlich hatten, wurden wir mit einem Shuttle zum für die erste Nacht gebuchten Hotel gefahren, dem Westmark, das sehr zentral liegt. Dort eingecheckt, die Koffer ins Zimmer gestellt und noch eine Runde durch Whitehorse spaziert, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Wir wussten ja nicht, wann wir am nächsten Morgen abgeholt werden sollten, um das Wohnmobil zu übernehmen und wollten sicherstellen, dass wir auf jeden Fall etwas von Whitehorse sehen, falls sich später nicht mehr die Gelegenheit ergeben sollte. Leider setzte nach kurzer Zeit schon Regen ein und wir sind schnell zum Hotel zurückgekehrt, wo wir im Restaurant noch einen ziemlich guten Burger gegessen haben und das erste leckere Bier im Yukon probiert haben. Lang wurde der Abend dann aber nicht und wir sind so gegen 9 p.m. ins Bett gegangen.

Die Nacht war recht unruhig, trotz der wirklich großen Müdigkeit nach der Anreise. Endgültig aufgewacht sind wir dann um halb sieben und haben ein letztes Mal vor der Tour die Annehmlichkeiten eines großzügigen Badezimmers genossen. Um acht habe ich dann beim Vermieter CanaDream angerufen, um den Termin für die Übernahme zu vereinbaren. Warum man dafür den Tag der Übernahme abwarten muss, wird mir wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Von unseren früheren Touren, die wir bisher ausnahmslos mit Fraserway gemacht hatten, waren wir bessere Koordination gewohnt und konnten zumindest am Vortag einen Abholtermin vereinbaren, teils auch früher.

Die böse Überraschung folgte dann auch gleich: Von CanaDream wurde mir am Telefon mitgeteilt, dass die Abholung vom Hotel erst um 4 p.m.(!) erfolgen sollte, also um 16:00 Uhr. Wir nehmen uns zwar am ersten Tag mit dem Wohnmobil eh nie viel vor, was die Strecke angeht, weil für uns erst mal zählt, in Ruhe anzukommen. Eine so späte Übernahme hatten wir aber noch nie. Zwar zahlt man bei kanadischen Vermietern nicht tageweise sondern pro Übernachtung (wie im Hotel). Bei einer Abholung am Hotel um 16:00 Uhr plus Anfahrt, plus Übergabe, plus Einräumen und Einkaufen ist der Tag aber trotzdem de facto rum und damit ziemlich verloren. Unser Start mit CanaDream fing schon mal nicht gut an.

Die jetzt reichliche Wartezeit in Whitehorse haben wir dann mit einem reichhaltigen Frühstück gestartet und sind anschließend zum Fluss gegangen, an dem wir ein wenig entlangspaziert sind. Dort haben wir auch eine Fahrt mit dem Waterfront Trolley gemacht, einer 1923 in Lissabon gebauten Straßenbahn, die auf Umwegen vor etlichen Jahren nach Whitehorse gelangt ist. Der Trolley fährt in insgesamt einer Stunde (Roundtrip) quasi ganz Whitehorse am Fluss entlang ab – und das im extremen Bummeltempo. Aber wenn wir heute eines hatten, dann war das Zeit.

SS Klondike in Whitehorse

Um zwölf mussten wir noch auschecken und die Koffer für die späte Abholung an der Rezeption deponieren. Dann ging es zu einem frühen Lunch ins benachbarte Burnt Toast Café, wo es eine sehr leckere Poutine mit Pulled Pork gab. Den Rest der Zeit bis zur Abholung sind wir mehr oder weniger ziellos sehr entspannt durch Whitehorse geschlendert und haben ein paar Fotos gemacht, unter anderem an der SS Klondike und haben auch einfach mal eine Weile am Fluss gesessen.

Kurz vor vier kam dann endlich der Shuttle, der uns zu CanaDream gebracht hat. Wir waren tatsächlich die letzten von 27 Mietern, die an diesem Tag Übernahme hatten. Das ist natürlich ein Brett für so eine kleine Vermietstation, ist aber auch wenig überraschend und könnte mit Sicherheit besser organisiert werden. Aber wenigstens hat es nicht jemand anderen noch schlechter getroffen als uns.

Die Übernahme des Wohnmobils bei CanaDream

Truck Camper von CanaDream

Die Leute an der Station waren ausnehmend freundlich und sympathisch. Die Übernahme unseres Truck Campers ging dann auch recht schnell und die Einweisung war ausreichend ausführlich und nicht zu langatmig. Nun kenne ich solche Fahrzeuge zwar schon hinreichend und kann eigentlich auf die Einweisung verzichten, ich lasse mir aber gern alles zeigen, sodass ich später nicht nach Anschlüssen oder anderen Dingen suchen muss. Bemerkenswert: Es gab keinen Hinweis auf die regelmäßige (und dringend notwendige) Kontrolle der Befestigung des Campers auf dem Truck und auch keinen Hinweis auf die Verwendung des Allradantriebs. Trotzdem hatte sich das Team noch für einen Teil der mitgebrachten Haribos und Milka-Schokolade qualifiziert. 😉

Wir haben schnell die Koffer ausgepackt, bei CanaDream deponiert und sind zum Tanken gefahren. Auch das eine neue Erfahrung für uns. Bei Fraserway haben wir immer ein volles Fahrzeug übernommen, hier war der Tank nur zu einem Viertel gefüllt. Zwar muss man auch nur den gleichen Füllstand bei der Abgabe wieder vorweisen, das Tanken gehört dadurch aber auch zu den Aufgaben des ersten Tages. Zudem muss man sich beim letzten Tanken erst mal bewusst sein, welche Strecke man noch fahren möchte und wie hoch der Verbrauch ist, damit man punktgenau landet und nicht einen viel zu vollen Tank zurückgibt. Nur eine Kleinigkeit, aber eine ärgerliche und in meinen Augen unnötige.

Den ersten Einkauf hatten wir dann im Real Canadian Superstore erledigt. Was wegen der Eile beim späten Auspacken jedoch untergegangen war: Trotz meiner eigenen Empfehlungen zum ersten Einkauf mit dem Wohnmobil haben wir vergessen, die Ausstattung zu überprüfen und so waren wir uns im Laden gar nicht sicher, ob wir ein gutes Messer, eine ordentliche Bratpfanne und Geschirr- und Spültücher oder -schwämme an Bord hatten. Ebenso Handschuhe, um das Dumpen mit sauberen Händen erledigen zu können.

Anschließend ging es dann noch zu Canadian Tire, um RV-Toilettenpapier und ein Beil zu kaufen. Bei unseren früheren Touren gehörte eine Axt immer zur Fahrzeugausstattung. Ebenso wie die Campingstühle, die bei CanaDream extra bezahlt werden müssen. Aber die anderen Touren waren auch alle bei Fraserway gebucht, wo auch deutlich weniger versucht wurde, bei der Übernahme noch Zusatzoptionen zu verkaufen. Von Fraserway wurden wir meist auch schon morgens um acht abgeholt, selbst aus Hotels in Downtown Vancouver. Da dies aber unsere erste Tour mit Start in Whitehorse war, kann ich nicht sagen, ob das hier auch so gewesen wäre. Ein paar Punkte hat CanaDream aber schon mal auf dem Negativkonto: sehr späte Übernahme, keine Axt, keine Campingstühle und das Verbot, den Denali Highway zu fahren. Zudem muss das Fahrzeug von außen gereinigt zurückgegeben werden. Fast alles sind Punkte, bei denen man unterstellen könnte, es ging nur darum, zusätzliche Optionen oder Dienstleistungen zu verkaufen. Das reißt dann auch das nette Team nicht raus.

Positiv: Wir hatten ein sehr neues Fahrzeug, das vermutlich erst eine Tour, nämlich die Überführung nach Whitehorse hinter sich hatte. Zudem war es ein Diesel, wie wir uns gewünscht hatten. Bei ca. 4.000 Kilometern, die wir für die Tour mindestens veranschlagt hatten, macht der geringere Verbrauch schon viel aus. Wir reden dabei von mehreren hundert Litern, die eingespart werden können.

Lake Laberge

Lake Laberge, Yukon, Kanada

Wir sind dann nur noch ein paar Kilometer von Whitehorse aus auf dem Klondike Highway nach Norden gefahren, bis zum Yukon-Campground am Lake Laberge. Die Yukon-Campgrounds sind von der Territoriumsverwaltung betriebene Government-Campgrounds mit »Self Registration«. Man sucht sich also eine freie Campsite und checkt sich selbst ein. Das macht man entweder, indem man die zwölf Dollar in einem entsprechend beschrifteten Umschlag deponiert oder mit vorab erworbenen Vouchern, die man vor Ort nur noch ausfüllt und gleichfalls einwirft. An den Pfosten an der Einfahrt zur Campsite kommt dann ein Abschnitt mit den Angaben zum Fahrzeug und zu den Personen.

Truck Camper auf einem Campground am Lake Laberge

Wir haben dort eine sehr schöne und ruhige Campsite gefunden. Nach einem kurzen Besuch am Seeufer sind wir aber dann recht schnell schlafen gegangen. Es war schon recht spät und der Tag für uns sehr lang.

Die Entscheidung dafür, die geplante Tour in dieser Richtung anzugehen, ist übrigens tatsächlich auch erst an diesem Tag gefallen. Wir haben uns für die zwei möglichen Richtungen (nach Süden, Richtung Skagway oder nach Norden, Richtung Dawson) die Wettervorhersage für die nächsten Tage angesehen und uns für das bessere zu erwartende Wetter entschieden. Die Temperaturen in dieser Richtung sollten in den nächsten Tagen bei über 20 Grad landen und es sollte weitgehend trocken bleiben. Beste Voraussetzungen also für eine schöne Tour.

Zusammenfassung

Start
Whitehorse (CanaDream-Station)
Ziel
Lake Laberge Yukon Government Campground
Fahrtstrecke
60 km