Von Skagway nach Whitehorse

Ab Skagway in Alaska ging es zurück in den Yukon, wo wir noch vier weitere Nächte verbrachten, bevor wir unseren Truck Camper wieder zurückgeben mussten. Carcross und die Seen südöstlich von Whitehorse haben uns einen schönen und entspannten Abschluss der Tour beschert.

Skagway

Der Start in den Tag ist unseren schnell liebgewonnenen Sitenachbarn offensichtlich leichter gefallen als mir, sodass ich mich nicht mehr verabschieden konnte. Aber wir sollten uns noch mal wiedersehen – aber dazu später mehr.

Der Beginn der Bahnstrecke Skagway–White Pass
Zu Beginn der Bahnstrecke Skagway–White Pass

Wir haben am Vormittag den schönen, ruhigen Campground verlassen und sind zum Tanken noch kurz nach Skagway reingefahren. Länger hat es uns allerdings nicht dort gehalten. Dafür waren wir noch zu sehr auf Ruhe eingestellt und wollten den Trubel nicht mitmachen. Den Goldrush Cemetary am Stadtrand haben wir uns aber vor der Abfahrt noch angesehen und auch den benachbarten Wasserfall Reid’s Falls.

Reid’s Falls, Skagway
Reid’s Falls, Skagway

Der Friedhof mit seinen alten Grabsteinen und deren Inschriften ist absolut sehenswert und wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte der Besiedlung des Yukons (nach den First Nations) und dem Goldrausch beschäftigt hat, ist das dort ein Teil Geschichte zum Ansehen aus nächster Nähe.

Grabstein auf dem Goldrush Cemetary in Skagway
Grabstein auf dem Goldrush Cemetary in Skagway

Mittlerweile waren es schon wieder 28 Grad und wir waren froh über die Klimaanlage im Truck. Am Stadtrand von Skagway haben wir noch unsere letzten US-Dollar gegen leckeren Kaffee eingetauscht und uns schließlich auf den Klondike Highway Richtung Kanada aufgemacht.

Zurück nach Kanada

Die Strecke ist spektakulär und bietet immer wieder wunderschöne Ausblicke auf die Bergwelt. Wenn man die Strecke mit dem Auto oder Wohnmobil fährt, kann man sich die recht teure Bahnfahrt mit der Yukon & White Pass Rail m. E. sparen. Wir haben die Bahn unterwegs mehrfach gesehen und die Strecke führt oft entlang der Bahngleise, was die Ausblicke vergleichbar macht. Wobei diese Bahnfahrt sicher auch ihren ganz eigenen Reiz hat und insbesondere für Bahnfans auch etwas ganz Besonderes ist.

Bergpanorama am Klondike Highway
Bergpanorama am Klondike Highway zwischen Skagway und der Grenze nach Kanada

Wir hatten fast auf der ganzen Strecke tolles Wetter und auch die Wiedereinreise nach Kanada lief problemlos und schnell. Die I-94-Zettel entfernte der Grenzbeamte aus unseren Pässen, als wir klargestellt hatten, dass wir nicht wieder in die USA fahren werden.

Erst an der Grenze zwischen BC und dem Yukon setzte ein wenig Regen ein, der uns ein ganzes Stück begleitete. Weil es dort noch regnete, sind wir auch nicht auf den wohl ziemlich neuen Government Campground gefahren, den man ein Stück vor Carcross findet. Der Campground war in unserem Verzeichnis von Yukon-Campgrounds nicht aufgeführt.

Bove Island am Klondike Highway
Bove Island am Klondike Highway

Carcross

In Carcross sind wir erst recht spät angekommen. Das Visitor Center hatte aber noch geöffnet und so haben wir das Wi-Fi für ein Lebenszeichen an die Lieben daheim genutzt, nachdem wir nun ein paar Tage offline waren. Anschließend wurde noch im Convenience Store an einer Tankstelle für die letzten Tage der Tour eingekauft. Wir hatten uns vorgenommen, nach den jetzt schon deutlich über 4.000 Kilometern der Tour in den letzten Tagen nicht mehr viel zu fahren und lieber die Reize zu genießen, die wir uns in dieser Gegend südlich von Whitehorse erwarteten. Wir hatten als Ziel für diese Nacht eigentlich einen Campground an der Straße nach Atlin ausgemacht, haben uns aber dann kurzfristig dagegen entschieden, als wir am Tagish River unterwegs sahen, dass es dort nicht nur die angekündigte Recreation Area gab, sondern auch einen ganz netten Campground.

Tagish River
Tagish River in der Nähe des Campgrounds

Aber noch vorher hatten wir auf dem Weg nach Tagish noch eine Schwarzbärin mit ihren zwei Jungen gesehen. Die beiden kleinen Bären wurden leider sehr schnell von der Mama ins Gebüsch geschickt und ließen sich nicht fotografieren. Die Bärin selbst hat sich aber zwar aufmerksam aber entspannt weiter am Straßenrand mit dem Verzehr von Gräsern und Blüten beschäftigt und war ein tolles Fotomodell.

Schwarzbärin
Schwarzbärin am Straßenrand

Da wir so wenige Bärensichtungen auf dieser Tour hatten, fiel es uns schwer, uns zu trennen. Aber man sollte bei Bären (bzw. generell bei Wildtieren) nicht länger als 60 Sekunden halten, um sie nicht an Menschen und Fahrzeuge zu gewöhnen. Ein respektvoller Abstand gehört natürlich eh dazu. Deswegen auch hier der Hinweis: Die Bilder auf der Seite sind mit einem Teleobjektiv entstanden und nachher beschnitten worden.

Schwarzbärin in der Nähe des Highways
Schwarzbärin am Straßenrand

Auf der Weiterfahrt durften wir dann noch zwei Porcupines (Stachelschweine) beobachten. Ziemlich sicher war das unsere erste Sichtung der possierlichen Tierchen (und bei den letzten beiden Wörtern habe ich die Stimme von Bernhard Grzimek im Ohr). Am Campground angekommen, haben wir uns eine schöne, ruhige Campsite ausgesucht, einen kleinen Spaziergang zum Fluss gemacht und am Feuer zu Abend gegessen und den Abend ausklingen lassen.

Stachelschwein
Stachelschwein

Zum Marsh Lake

Der Tagish River verbindet den Tagish Lake mit dem Marsh Lake, unserem heutigen Tagesziel. Es waren daher auch über Jack’s Corner und den Alaska Highway nur ca. 50 km zu fahren. Zuerst ging es aber über den Fluss zurück zu einem Campground, den wir am Vortag gesehen hatten. Wir hatten zuletzt am Kluane Lake gedumpt, also vor drei Tagen. Die Tanks waren dementsprechend voll und wir wollten auf dem nächsten Campground möglichst zwei Tage stehen, falls er uns gefällt. Also sind wir zu dem privaten Campground gefahren und haben dort gefragt, ob wir den Sani Dump nutzen dürfen, obwohl wir keine Gäste sind. Wir durften es – gegen eine Gebühr von zehn Dollar.

Das Dumpen auch für Nicht-Gäste ist übrigens auf vielen Campgrounds möglich und damit gerade für Leute wie uns, die hauptsächlich Campgrounds mit wenig eigener Infrastruktur nutzen, eine tolle Alternative. Auch Tankstellen bieten häufig einen Sani Dump an, für Tankkunden auch meist gebührenfrei.

Während ich mich um die Entsorgung gekümmert habe, hat meine Frau einen kleinen Plausch mit dem Angestellten gehalten, einem Chilenen, der erst seit einigen Monaten im Yukon lebte. Während der bestellte Kaffee durchlief, gab es noch einige Tipps für Stellen auf der geplanten Route, an der es mit Garantie weitere Wildlife-Sichtungen geben sollte – inkl. Zeichnung.

Skizze zu Wildlife-Sichtungen
Skizze zu vermuteten Wildlife-Sichtungen rund um Tagish

Mit leeren Abwassertanks, vollem Frischwassertank und frischem Kaffee sind wir dann erwartungsvoll losgefahren. Zu den wahrscheinlichen Sichtungen auf der Strecke sollte eine Bärin mit zwei Jungen gehören, Biber, eine Stachelschweinfamilie und die seltenen schwarzen Erdhörnchen, die wohl nur dort vorkommen.

Um es kurz zu machen: Die schwarzen Erdhörnchen haben wir tatsächlich gesehen. Zum Glück hat keines von denen eine der unter Erdhörnchen offensichtlich beliebten Mutproben durchgezogen, bei denen es darum geht, möglichst dicht vor einem herannahenden Fahrzeug die Straße zu überqueren. Ich habe für die Kleinen irgendwo noch den Spitznamen »Suiciders« aufgeschnappt, also Selbstmörder. Leider ein wirklich passender Name. Die anderen angekündigten Tiere haben wir trotz langsamster Fahrt und einiger Stopps nicht gesehen.

Marsh Lake

Der Government-Campground am Marsh Lake ist ziemlich schön und war trotz unserer recht frühen Ankunft an diesem Donnerstag schon ziemlich voll. Trotzdem hatten wir Glück und haben eine große Campsite ergattern können, die auch noch direkten Zugang zum Strand hatte.

Da wir eh in der Gegend bleiben wollten, nur noch wenige Tage bis zur Rückgabe hatten und es eh nur noch einen Government-Campground gibt, der näher an Whitehorse liegt, haben wir uns in Anbetracht der schönen Campsite entschlossen, gleich für zwei Tage einzuchecken.

Nachdem wir uns auf der großzügigen, jedoch leicht abschüssigen Campsite eingerichtet hatten, haben wir uns erst mal unser Campingstühle und ein paar Kaltgetränke geschnappt und sind die paar Meter zum See runter gegangen. An dieser Stelle gibt es einen recht breiten Kiesstrand und wir hatten traumhaftes Wetter. Neben dem Insektenschutz war also auch Sonnencreme mal wieder zwingend notwendig. Man soll ja im Urlaub nicht meckern – und schon gar nicht über gutes Wetter – aber diese Schmiererei und Sprüherei ist schon ziemlich nervig.

Kiesstrand am Marsh Lake Campground
Kiesstrand am Marsh Lake Campground

Lesend in der Sonne an einem See zu sitzen, ist eine Sache, die wir immer wieder genießen. Vom Campground war fast gar nichts zu hören. Einzig von der benachbarten Day-Use-Area waren ein paar Jugendliche zu hören, die den Sonnentag ebenso genossen wie wir. Nach einiger Zeit haben wir dann auch unsere Campingstühle wieder auf die Site zurückgebracht und sind rüber zur Day-Use-Area gegangen, die wir vom Kiesstrand aus gesehen haben. Leider führt kein Weg direkt dort hin, der schien aber in Planung zu sein. Nur eine Brücke fehlte noch, die mittlerweile wohl längst fertig ist.

Da das aber zu dem Zeitpunkt noch nicht der Fall war, mussten wir leider bis zum Highway zurück, den ein Stück entlanglaufen und dann kommt man über den Parkplatz an den Marsh Lake.

Hier gibt es einen knapp zwei Kilometer langen Sandstrand – zumindest zu dieser Zeit. Der See hat aber den Anzeichen am Ufer nach auch Zeiten mit deutlich höherem Wasserstand, zu denen der Strand kaum noch die 20 Meter breit sein dürfte, die wir bei unserem Besuch vorfanden.

Sandstrand am Marsh Lake, im Vordergrund ein Paar Chucks
Sandstrand am Marsh Lake

Bei unserem Weg den Strand entlang haben wir teils auf dem Strand, teils durchs flache Wasser auch noch einen schönen Spaziergang zusammenbekommen. Am Scheitelpunkt wurde noch auf der mitgebrachten Decke eine Pause gemacht und dann ging es an der langen Reihe schöner Strandhäuser entlang wieder zurück zum Campground, wo wir den Tag mit einem leckeren Essen haben ausklingen lassen.

Tagesprogramm südlich von Whitehorse

Wir hatten unsere Campsite noch für eine weitere Nacht reserviert, weil wir ja eh in der Gegend bleiben wollten und weil jetzt am Wochenende bei tollem Wetter der Wechsel auf einen Government-Campground so nah an Whitehorse auch sicher nicht einfach geworden wäre. Die Belegung unseres Campgrounds war ein sicheres Indiz dafür. Dass wir unsere Campsite trotz Reservierung noch verlieren sollten, wussten wir da noch nicht.

Schon vor der Tour hatten wir uns vorgenommen, Frank und Sylke von Klondike RV zu besuchen. Ich kannte Frank bisher nur online und wollte endlich den Menschen hinter dem Profil kennenlernen. Das Grundstück an der Straße zwischen Whitehorse und Carcross war leicht zu finden. Die beiden waren allerdings gerade in Whitehorse zum Einkaufen, wie uns die Jungs mitteilten, die dort als Aushilfen (Work & Travel) gejobbt haben. Die Hausherren sollten aber bald wieder auftauchen.

Nach einiger Wartezeit hatten wir uns dann aber doch entschlossen, den Versuch abzubrechen. Wir haben noch unsere Haribo- und Milka-Mitbringsel in eine Tasche gepackt, eine Notiz dazugeschrieben und an die Tür gehängt. Gerade als wir aufbrechen wollten, kamen die beiden aber mit ihrem Truck um die Ecke. Wir haben schnell beim Ausladen der Einkäufe geholfen und uns anschließend beim Kaffee auf der Terrasse ordentlich verquatscht.

Frank hat auch noch einen Blick auf unseren defekten Kühlschrank geworfen, konnte aber leider auch auf die Schnelle nichts machen. Mit Gas, also ohne Stromanschluss, lief er nicht mehr. Wir waren bereit, uns für die letzten Tage damit abzufinden. Viele verderbliche Lebensmittel hatten wir nicht mehr und aus den Kaltgetränken wurden dann eben bei dem guten Wetter Warmgetränke. Wir haben aber zumindest noch bei CanaDream angerufen und angekündigt, dass das Fahrzeug am Sonntag mit einem Defekt zurückgegeben wird. Fairness geht vor.

Emerald Lake und Carcross Desert

Nach unserem Besuch ging es die Tagish Road weiter runter zum ikonischen Emerald Lake, der in Natura tatsächlich so schön und fast unnatürlich smaragdfarben ist, wie man ihn von den Fotos kennt. Einfach traumhaft.

Emerald Lake, Yukon
Emerald Lake, Yukon

Der nächste Stopp war die Carcross Desert, ein landschaftliches Phänomen, das auch als »kleinste Wüste der Welt« bezeichnet wird. Tatsächlich ist es aber keine Wüste. Dem surrealen Eindruck, den dieser sandige Flecken zwischen Bergen, Wäldern und Seen macht, tut das aber keinen Abbruch. Wir fanden es sehr spannend, dort herumzulaufen, haben aber nach einiger Zeit vor dem starken Wind, der wohl auch zu diesem Phänomen der Wüstenbildung beiträgt, kapituliert.

Carcross Desert
Carcross Desert

Ein Stück weiter ist dann das kleine Städtchen Carcross, das wir schon zwei Tage vorher kurz kennengelernt hatten. Wir haben noch fürs Abendessen eingekauft, ein paar köstliche Muffins und Kaffees gekauft und sind nach einer Pause wieder Richtung Tagish Lake gefahren, um das Dreieck zu vollenden, das uns wieder zu unserem Stellplatz am Marsh Lake bringen sollte.

Unterwegs hatten wir richtig schlechtes Wetter und die Hoffnung auf erneute Wildlifesichtungen schwand zunehmend. Es sah aber danach aus, als würde es über dem nördlichen Ende des Marsh Lakes nicht regnen und tatsächlich fanden wir unsere Campsite bei der Rückkehr trocken vor.

Regen über dem Marsh Lake
Regen über dem Marsh Lake

Site-Besetzer

Leider sah sie aber gar nicht mehr wie unsere Campsite aus. Die zurückgelassenen Campingstühle fehlten ebenso wie der Reservierungszettel am Pfosten. Dafür stand ein Pkw mit Wohnanhänger auf unserem Platz. Da hat sich also jemand kackfrech trotz unserer Reservierung die schöne Campsite mit Zugang zum Wasser geschnappt.

Es war niemand anzutreffen und so habe ich erst mal unseren Truck Camper mit auf die Site rangiert, um die Fahrbahn freizumachen. Es war Freitagnachmittag und minütlich fuhr ein weiteres Fahrzeug auf der Suche nach einer freien Site über den Campground. Während wir darauf gewartet haben, dass entweder der unverschämte Site-Besetzer oder ein Ranger auftaucht, damit wir den Fall klären können, habe ich auf einer Site in der Nähe unsere Stühle entdeckt. Und tatsächlich hing dort auch unser Zettel am Pfosten. Die Site-Nachbarn hatten leider nichts mitbekommen.

Zurück an der ersten Site zeigte sich dann die Übeltäterin. Es war eine Mutter mit Kind, die mir lang ausgeschmückt aber wenig glaubhaft erklärte, dass sie auf der anderen Campsite eine Dreiviertelstunde versucht hätte, den Anhänger einzuparken und schließlich verzweifelt und mit ganz schlechtem Gewissen diese Lösung mit dem eigenmächtigen Tausch gewählt hatte. Aber wenn ich darauf bestehen würde, könnte ich natürlich die Site zurückbekommen. Ich sollte ihr aber in dem Fall beim Rangieren helfen. Als ob sie nicht vorher schon längst jemanden hätte finden können, der ihr geholfen hätte, Den Mini-Anhänger  hätte sie sogar von Hand selbst rangieren können.

Nun hatten wir einerseits diese halbe Einsicht, zum anderen konnten wir ja problemlos beweisen, dass wir zuerst auf der Site waren. Neben dem Foto unseres Zettels am Pfosten, das wir vor Verlassen der Site gemacht hatten, gab es ja auch noch den Umschlag mit der Registrierung. Wir hatten aber weder Lust, noch lange zu warten, bis die Site wieder frei ist, noch wollten wir als Umzugshelfer oder pedantische Touristen auftreten. Und so haben wir zähneknirschend die kleinere Site in deutlich schlechterer Lage angenommen, sind noch kurz zum Strand runter und haben den Rest des Tages am Campfire verbracht. Von unseren Nachbarn gab es wenigstens noch Lob für unsere Großherzigkeit, insgeheim haben sie uns aber sicher für leicht bekloppt gehalten. Für uns war das aber die Lösung mit dem wenigsten Stress. Und wenn es etwas gibt, das wir im Urlaub nicht brauchen, ist es Stress.

Miles Canyon, Whitehorse, Takhini Hot Springs

Am letzten vollen Tag vor der Rückgabe des Campers stand noch ein Besuch am Miles Canyon an, ein Bummel durch Whitehorse und schließlich die Takhini Hot Springs, wo wir auch eine Campsite für die letzte Nacht reserviert hatten. Aber der Reihe nach:

Nach dem Aufbruch am Marsh Lake war es nicht weit auf dem Alaska Highway zu fahren, bis wir am Miles Canyon angekommen sind. Hier teilen sich übrigens der Alaska Highway und der Klondike Highway ein Stück weit die Strecke von unterhalb von Whitehorse bis zur Kreuzung im Norden, wo man entweder dem Alaska Highway Richtung Kluane Lake und Tok folgt oder dem Klondike Highway, der Richtung Dawson führt und einen schließlich über den Top of the World Highway auch nach Tok führt.

Miles Canyon

In der Nähe der Brücke am Miles Canyon ist ein Parkplatz, von dem aus wir gestartet sind. Es geht dann über die Brücke und man hat die Auswahl zwischen mehreren Trails, die man am Canyon entlang laufen kann. Wir haben uns für einen entschieden, der die ganze Zeit am Wasser entlangführt und haben es nicht bereut. Immer wieder hat man wunderbare Ausblicke auf den Fluss und die Farben der Natur hier sind großartig.

Am Miles Canyon südlich von Whitehorse
Miles Canyon südlich von Whitehorse
Der Yukon River kurz vor dem Miles Canyon
Der Yukon River kurz vor dem Miles Canyon

Seit es südlich dieser Stelle den Staudamm zur Stromerzeugung für Whitehorse gibt, ist das Wasser im Miles Canyon gezähmt. Man kann sich aber gut vorstellen, wie rasant es hier vorher zur Sache gegangen sein muss und wie schwierig und gefährlich es war, Güter mit Booten durch die Stromschnellen zu transportieren. Schilder an dieser Stelle und weiter oben an der Miles Canyon Road, die man als schöne Alternative zum Highway bis fast nach Whitehorse fahren kann, erzählen die Geschichte der Schlucht und zeigen Fotos aus der Zeit.

Blick von der Miles Canyon Road auf den Canyon
Blick von der Miles Canyon Road auf den Canyon

Da uns unser Weg eh durch Whitehorse führte, haben wir die Gelegenheit noch für einen Bummel durch die Stadt genutzt. Und bei der Suche nach einer Möglichkeit für einen kurzen Imbiss schauten wir am Tim Hortons in bekannte Gesichter: Das Paar, mit dem wir in Haines uns Skagway den Campground und wunderschöne Stunden geteilt hatten, hatte die gleiche Idee. Sie haben gerade ihren Truck Camper zurückgegeben und verbrachten nun noch die Wartezeit auf ihren Flug nach Vancouver in der Stadt. Wir waren eigentlich nicht davon ausgegangen, uns während der Reise noch mal zu treffen und haben uns umso mehr gefreut und noch ein bisschen Zeit miteinander verbracht.

Takhini Hot Springs

Anschließend haben wir noch Lebensmittel für die letzte Nacht eingekauft und sind zu den Takhini Hot Springs aufgebrochen, wo wir auf dem zu den Heißen Quellen gehörenden Campground eine Site für die letzte Nacht gebucht hatten. Wir wollten die Reise ganz entspannt ausklingen lassen und da kann es kaum etwas besseres geben als Heiße Quellen, um den Staub der Tour abzuspülen. 

Der Angestellte, bei dem wir für unsere reservierte Site eingecheckt haben, hat sich zwar nicht gerade vor Freundlichkeit überschlagen, aber schließlich hat jeder mal einen schlechten Tag. Die Campsite war aber schöner als auf diesem recht engen privaten RV Park erwartet und wir haben uns dort recht wohl gefühlt.

Unser Truck Camper auf der Campsite für den letzten Abend
Campsite für den letzten Abend

Die Hot Springs sind nur einen kurzen Fußmarsch entfernt und man hatte zum Einen vergünstigten Eintritt als Mieter, zum Anderen kann man mit der Karte auch mehrfach innerhalb des Tages (und wenn ich mich recht entsinne auch am nächsten Morgen) ins Bad. Wir haben es aber bei einem ausgiebigen Besuch belassen und sind für einen letzten Burger und letzte Biere der Yukon Brewery wieder zurück zur Campsite aufgebrochen.

Burger, Bier und Cider auf dem Tisch auf dem letzten Campground
Burger, Bier und Cider am letzten Abend im Yukon

Dort angekommen, konnten wir das Schauspiel beobachten, dass es oft auf Campgrounds gibt, die in der Nähe von Vermieterstationen liegen und ganz gehäuft sicher an Samstagen in Whitehorse, weil die meisten Touristen wohl mit den Condor-Direktflügen aus Frankfurt kommen, die in der Saison Whitehorse bedienen. Es wird geputzt, gepackt, gewogen und umgepackt. Man entscheidet, was mitgenommen wird und was man zurücklassen kann oder muss. Für Einiges findet man Abnehmer bei Campground-Nachbarn, die vielleicht erst mit ihrer Tour beginnen, für Vieles empfehlen wir aber, die Sachen bei örtlichen Organisationen abzugeben, die es an Bedürftige weitergeben oder günstig verkaufen. Das gilt für übriggebliebene Lebensmittel ebenso wie für Dinge, die man sich für die Tour angeschafft hat, wie Grills, Äxte oder sonstige Ausrüstung. Man glaubt gar nicht, was manche so für zwei bis vier Wochen alles einkaufen.

Beim Plausch mit dem Campgroundnachbarn, einem Fraserway-Mieter, habe ich übrigens bestätigt bekommen, dass Fraserway nicht wie wie bei CanaDream behauptet ebenfalls keine Äxte mitgibt. Stattdessen kann man sie sich dort selbst nehmen, was den Service für den Mieter besser macht und die Haftung vom Vermieter nimmt. Wie vermutet, war das also nur eine Ausrede. Ich konnte es mir auch nicht anders vorstellen, weil wirklich jeder Fraserway-Mieter, den wir unterwegs gesehen hatten, die gleiche gelbe Axt hatte.

Der Nachbar hatte dann auch noch von seiner Tour berichtet, wo ihm irgendwo auf dem Dempster Highway die Tür seines Campers aufgesprungen war, weil er den Sicherheitsbügel zur falschen Seite weggeklappt hatte und damit die Tür nicht halten konnte, als das Schloss beim Rumpeln auf der Strecke aufgesprungen war. Er muss etliche Kilometer so gefahren sein und beim nächsten Stopp kam die böse Überraschung, als das gesamte Fahrzeuginnere mit einer fingerdicken Schicht aus Dempster-Staub überzogen war. Wer schon mal dort oben eines der Fahrzeuge gesehen hat, die die Strecke gefahren sind, kann sich vorstellen, wie es im Camper ausgesehen haben muss.

Die Tür hatte wohl auch Schaden genommen und Fraserway hat sich bei der Reparatur sehr kulant gezeigt, weil der Mieter glaubhaft versichern konnte, dass ihm das Abklappen des Bügels zur falschen Seite genau so gezeigt wurde. Das ist der Service, mit dem man sicherstellt, dass man auch bei höherem Preis wieder eine Buchung erhält.

Die Rückgabe des Truck Campers

Wir hatten uns am letzten Abend nicht in den oben beschriebenen Reigen des Packens und Säuberns eingereiht. Unsere Koffer hatten wir eh bei CanaDream gelassen und weil wir bei der Übernahme das große Service-Paket gekauft hatten, war auch die sonst obligatorische Abwasserentsorgung, die Innenreinigung und sogar das Spülen des Frühstücksgeschirrs nicht unsere Sache. Trotzdem mussten wir bis 10:00 Uhr zurückgeben. Eine Rückfrage einige Tage vorher (als wir den defekten Kühlschrank gemeldet hatten), hat uns leider der Illusion beraubt, dass wir wegen der sehr späten Übernahme auf etwas Kulanz bei der Rückgabe zählen konnten. So sind wir zeitig aufgebrochen, um den Tank wieder soweit zu füllen, wie wir ihn übernommen hatten.

Bei CanaDream angekommen, lief die Rückgabe sehr problemlos. Unser Fahrzeug wurde nur kurz inspiziert und wir haben unsere Koffer gepackt, was aufgrund einer gewissen Routine und Planung sehr schnell ging.

Das Team bei CanaDream hat uns dann noch sehr positiv überrascht, als angeboten wurde, uns für die mehrstündige Wartezeit vor dem Abflug noch mit dem Shuttle in die Stadt zu fahren und uns später wieder abzuholen, um uns dann mit den Koffern zum Flughafen zu bringen. Das war deutlich mehr, als der eigentlich eingeschlossene Transfer, den wir erwartet hatten. Galt das Angebot für alle, die gerade abgegeben hatten, wurde uns noch zusätzlich versprochen, dass wir nächstes Mal als erste übernehmen dürften, wenn wir uns vorher ankündigen.

Insgesamt reichte das aus, um unseren Frieden mit CanaDream zu machen. Sie gehören ja eh weiterhin zu den Vermietern, die wir immer empfehlen. Man sollte sich nur der Unterschiede bewusst sein, wenn man nur auf den Preis schaut. Unsere Tour in 2018 findet übrigens auch wieder mit einem RV von CanaDream statt – allerdings auf der anderen Seite von Kanada: Nova Scotia.

Abreise

Nachdem wir zum Flughafen gebracht wurden, war die Wartezeit dort nicht mehr lang. Beim Einchecken wurde übrigens das Handgepäck aller Reisenden genau gewogen und es gab die ein oder andere Diskussion wegen des Gewichts, das ja in der Holzklasse von Condor nur sechs Kilo betragen darf. Das ist wahrlich nicht viel.

Ich hatte mich darauf gut vorbereitet und mein Fotorucksack war gefüllt genau sechs Kilo schwer, nachdem ich den Laptop rausgenommen hatte. Ein Laptop darf nämlich in einer eigenen Tasche zusätzlich transportiert werden. Meine recht schwere Powerbank hatte ich zudem in der Jackentasche, sodass das Gewicht nicht beim Wiegen anfiel. Mit einem schwereren Kameragehäuse oder mehr Objektiven wäre es aber trotzdem knapp geworden.

Der Flug war pünktlich und nach einigen Turbulenzen direkt nach dem Start auch sehr ruhig. Kanada, wir kommen wieder.

Zusammenfassung

Start
Skagway, Alaska, USA
Ziel
Whitehorse, Yukon, Kanada
Points of Interest
Skagway, Carcross, Emerald Lake, Marsh Lake, Miles Canyon, Takhini Hot Springs
Fahrtstrecke
483 Kilometer
Gefahrene Routen
Klondike Highway, Alaska Highway

2 Gedanken zu „Von Skagway nach Whitehorse“

  1. Milka und hariboo ist alle. Nachshub bitet bitte. Gut geschrieben. Am besten gefaellt mir die Stelle wo beschrieben wird wie man wildlife WILDE Tiere (wie lange) beobachtet. Der Satz koennte von mir sein. Schoenne Gruesse aus noch Canada.

Kommentare sind geschlossen.